Erinnerungen ohne Hass, aber ohne zu vergessen. Shoah-Überlebende berichten

Porträt: älterer Herr mit kurzen grauen Haaren und Kippa in dunklem Sakko und hellblauem Hemd.
Herbert Rubinstein, Schoah-Überlebender

Ich bin 83 Jahre alt und wurde in Czernowitz geboren, das heute zur Westukraine gehört. Ich und meine Mutter haben unter falscher Identität überlebt. Mein Vater wurde durch die Rote Armee eingezogen und gegen Ende des Krieges in der Nähe von Bukarest von deutschen Soldaten erschossen. Über Amsterdam kam ich 1956 nach Düsseldorf. Hier haben mir katholische junge Menschen viel geholfen. Düsseldorf ist heute die drittgrößte Gemeinde Deutschlands mit siebentausend Mitgliedern. Antisemitismus ist ein Riesenproblem. Dies ist Menschenfeindlichkeit. Es ist ein Alarmsignal dass das Wort „Jude“ heute auf Schulhöfen als Schimpfwort benutzt wird. Die Nazis fingen in ihrer teuflischen Besessenheit mit Sprache an.

Porträt: Nachdenkliche, ältere Dame mit dunklen Haaren roter Bluse und schwer-weißem Blouson
Inge Auerbacher, Schoah-Überlebende

Ich heiße Inge Auerbacher und bin das letzte jüdische Kind, das im badischen Kippenheim 1934 geboren wurde. Ich weiß noch gut, wie am 9./10. November 1938 die Fenster eingeschlagen wurden. Als eines von ganz wenigen Kindern habe ich Auschwitz überlebt.

Ich kann es nicht verstehen, dass nach kurzer Zeit es wieder losgeht mit diesem Hass und Unverständnis. Das regt mich sehr auf. Deswegen spreche ich mit Schülern: Ihr habt die Wahl!

Porträt: Älterer Herr mit großer Brille, stoppelig kurzen, noch schwarzen Haaren in blaugrauem Polohemd vor einem bunten Gemälde.
Josef Königsberg, Schoah-Überlebender

Ich bin 1924 in Kattowitz (Polen) geboren und kam 1939 in ein Ghetto. Bei einer Razzia wurde ich 1941 in ein Konzentrationslager geschickt und habe vieles mitgemacht. Im Mai 1945 wurde ich befreit. Wegen Verwandten und Freunden flüchtete ich 1965 aus Polen nach Essen.

Es ist eine traurige Angelegenheit, dass es heute Antisemitismus in Deutschland gibt, ja er sogar wächst. Ein großer Teil der Juden lebt in Angst. Man fürchtet sich ein Käppchen zu tragen. Muslime haben auch Antisemitismus nach Deutschland gebracht.

Video-Beiträge der Shoah-Überlebenden